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Feb 06 2009

Die irische Brigade im Ersten und Zweiten Weltkrieg

Abgelegt 22:17 unter 1789 - 1914/17, 1917 - 1989

Ein irischer Gefangener schrieb in einem Brief vom 4. März 1915 an seine Mutter “they are hoping to form an Irish Brigade here, but we will die first”. Dies war auch, wie sich noch zeigen sollte, die mehrheitliche Meinung der irischen Kriegsgefangenen im deutschen Kaiserreich. Allerdings traf diese Meinung eben nicht für all seine Landsmänner zu, so dass doch eine irische Kampfeinheit aufgestellt wurde.

Die irische Brigade im Ersten Weltkrieg

Grundlage für die Existenz der irischen Brigade war der Deutsch-Irische Vertrag vom 28. Dezember 1914, der von Sir Roger Casement und Arthur Zimmermann unterzeichnet wurde. Bereits am 21.  August des Jahres hatte Sir Casement dem deutschen Kaiser in einem Memorandum geschrieben, dass die Loyalität der Iren in Lord Kitcheners Expeditionsstreitmacht gegenüber Großbritannien fragwürdig sei. Da die irischen Nationalisten durch den Ersten Weltkrieg die Chance zur Befreiung Irlands gekommen sahen, waren sie auch bestrebt diese zu nutzen. Dabei waren sie sich allerdings der Tatsache bewusst, dass sie der Hilfe von außerhalb bedurften.

Durch den Anführer des Clan na Gael, einer mächtigen iro–amerikanischen Organisation, und den deutschen Militärattaché Franz von Papen wurde der Kontakt zwischen Sir Casement und dem deutschen Botschafter in Washington, Graf von Bernstorff, hergestellt. Die Deutschen gestanden ihren Vertragspartnern zu, dass „the object of the Irish Brigade shall to be fight solely in the cause of Ireland, and under no circumstances shall it be employed or directed to any German end [...].“ Daneben wurde zugesagt, die National Volunteers in Irland bei dem „[…] attempt to recover Irish national freedom by force of arms“ zu unterstützen. Weiterhin wurde zugesichert, dass die irische Brigade durch Flagge und Abzeichen als solche zu erkennen sein und, solange sie dem deutschem Kommando unterstand, an keinen Kampfhandlungen teilnehmen würde.

Die Einheit rekrutierte sich aus „Irish soldiers, or other natives of Ireland, now prisoners of war in Germany [...].“ Die niedrigen Rekrutierungszahlen stellten jedoch ein Problem dar, bis zum Juni 1915 hatten sich gerade einmal 55 Mann freiwillig gemeldet – eine verschwindend geringe Anzahl in Anbetracht von 3000 Kriegsgefangenen in Limburg und 163 internierten irischen Zivilisten. Dieses offensichtliche Scheitern führte dazu, dass der Deutsch-Irische Vertrag auf ein Memorandum zusammenschmolz und die Rekrutierungsversuche unter den Kriegsgefangenen im Juli 1915 aufgegeben wurden.

Stattdessen wurde versucht, mit den 55 Freiwilligen zu arbeiten: Zunächst wurde die Befehlshierarchie aufgebaut, über deren Orientierung an der tatsächlichen Qualifikation des Ranginhabers spekuliert werden kann. Fest steht nur, dass T.A. Quinslik, das erste freiwillige Mitglied der Brigade, als Warrant Officer Class 2 (Quartermaster Sergeant) den höchsten Rang innehatte. Zur ungestörten und unbeobachteten Ausbildung wurden die Iren dann von Limburg nach Zossen bei Berlin und danach zum Kampftraining nach Zossen-Weinberge verlegt.

Zwischen den Iren und den Deutschen begannen sich Spannungen zu entwickeln, die Iren kritisierten ihre Unterbringung und das Verhalten der Deutschen ihnen gegenüber – die Deutschen wiederum kritisierten die mangelnde Disziplin der Iren. Um die Bemühungen Casements zu retten wurde Robert Montheith in das Ausbildungslager geschickt. Montheith verfügte über vieljährige Fronterfahrung im britischen Heer und war imstande den Ausbildungsstand und die Disziplin der Truppe zu heben.

In Irland war allerdings im Februar 1916 beschlossen worden, dass der Zeitpunkt des Aufstandes zur Befreiung des Landes spätestens Ostern 1916 stattfinden müsse. In diesem Zusammenhang waren sowohl die Lieferung von Waffen an die Rebellen als auch die Rückkehr Casements und Montheiths nach Irland festgelegt worden – allerdings schlugen sowohl das Unternehmen die Beiden abzusetzen als auch die Waffen zu liefern fehl.

Nachdem Montheith und Casement aufgebrochen waren wurde beraten, was mit der Brigade anzufangen sei. Zunächst wurde sie nach Danzig-Troyl verlegt. Doch bereits am 8. Oktober 1916 wurde dem Auswärtigen Amt mitgeteilt, dass unter den Iren Disziplinlosigkeit herrsche die sich in Diebstählen, Einbrüchen, Trunksucht und Nichtbefolgung von Dienstvorschriften äußere. Die Einheit wurde aufgeteilt und 25 Iren bis zum Kriegsende in andere Lager verlegt, der Rest blieb in Danzig-Troyl und wurde zu Arbeitsdiensten herangezogen.

Ursprünglich hatten alle Freiwilligen angegeben nach Kriegsende in die Vereinigten Staaten gebracht werden zu wollen. Tatsächlich aber versuchten sie sich vereinzelt in die Dienste der Münchner Räterepublik zu stellen beziehungsweise starben bei deren Niederschlagung oder versuchten in die Reichswehr einzutreten. Ein Angehöriger der Brigade war noch 1928 Mitglied in einem deutschen Orchester und zwei weitere Freiwillige kehrten nach Irland zurück.

Gab es eine irische Brigade im Zweiten Weltkrieg?

Die Existenz einer irischen Brigade, die im Zweiten Weltkrieg auf deutscher Seite kämpfte, kann mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Als Basis für diese Feststellung dient das Fehlen beziehungsweise die Nicht-Nennung einer solchen Einheit in der Reihe Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939 – 1945, die eine Auflistung der Einheiten von Wehrmacht und Waffen – SS darstellt. Darin werden auch die Herkunft der Soldaten, der eingegliederten Einheiten und die Einsatzorte genannt.

In der genannten Aufzählung finden sich sowohl das „British Freecorps (Waffen – SS)“, als auch die British Legion of St.George. Daneben werden auch die 11. SS–Freiwilligen–Panzergrenadierdivision Nordland samt ihrer Vorgänger, dem SS–Regiment Nordland, der SS–Standarte Nordland und dem SS–Panzer–Regiment Nordland aufgelistet. Die beiden Letzteren wurden bei Entstehung der Division Nordland in SS–Panzergrenadierregiment Norge und SS–Panzerregiment 11 beziehungsweise ab 1944 Hermann von Salza umbenannt und ihr angegliedert.

Sowohl im British Freecorps, in der Legion of St.George als auch in der Division Nordland haben Briten gedient. Mangels Aufschlüsselung lässt sich aber keine definitive Aussage über Iren in den genannten Einheiten treffen. Wenn jedoch tatsächlich Iren im Zweiten Weltkrieg auf deutscher Seite gekämpft haben sollten, dann hätten sie sich höchstwahrscheinlich nicht in den Reihen des British Freecorps oder der Legion of St.George befunden.

Da die Angehörigen der ausländischen Waffen–SS–Einheiten das Hoheitszeichen ihres Landes auf dem Ärmel trugen, bestand für die Iren kein Grund mit britischem Abzeichen zu kämpfen. Als Beispiele dafür sollen lediglich die Waffen–SS–Einheiten aus Dänemark, den Niederlanden oder die SS–Einheiten, die statt ihrem Landeswappen ein regionales Hoheitszeichen führten, wie z.B. die SS–Freiwilligendivision – Kampfgruppe Böhmen-Mähren oder die SS–Freiwilligengrenadierdivision Wallonien genannt werden.

Auf Grund einer fehlenden und detaillierten Aufschlüsselung findet sich trotz der Aufführung britischer Freiwilliger in den Auflistungen kein Anhaltspunkt dafür, dass Iren auf Seiten des Dritten Reiches Dienst an der Waffe geleistet hatten. Deshalb ist es nicht möglich mit Sicherheit zu bestimmen, ob Iren in der Waffen-SS gedient haben, sondern nur aus den verwendeten Werken den Schluss zu ziehen, dass es keine eigenständige irische Brigade auf deutscher Seite im zweiten Weltkrieg gegeben hat.

Literaturtipps

Richard Doherty, Irish volunteers in the Second World War, Dublin 2002.

Charles Duff, Six Days to shake an Empire, London 1966. Hans Werner Neulen, An deutscher Seite. Internationale Freiwillige von Wehrmacht und Waffen – SS, München 1985.

Andreas Roth, The German soldier is not tactful: Sir Roger Casement and the Irish Brigade in Germany during the First World War, in: Irish Sword 19 (1995), S. 313 – 332.

Hubert Sturm, Hakenkreuz und Kleeblatt. Irland, die Alliierten und das “Dritte Reich” 1933 – 1945 (Europäische Hochschulschriften Reihe 3. Geschichte und ihre Hilfswissenschaften 222/I) Frankfurt am Main, Bern, New York, Nancy 1984.

Karin Wolf, Sir Roger Casement und die deutsch–irischen Beziehungen (Historische Forschungen Bd. 5) Berlin 1972.

Der Autor

Robert Schmidtchen studiert an der Universität Bayreuth Geschichte und Philiosophie. Sein besonderes Interesse liegt in Wirtschaftsgeschichte und Neueste Geschichte.

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3 Kommentare

3 Kommentare zu “Die irische Brigade im Ersten und Zweiten Weltkrieg”

  1. Jan Popp-Sewingam 17. Februar 2009 um 19:32 1

    Interessant. Über die irische Brigade im 1. WK wusste ich noch nichts. Ich meine, das mit den Waffenlieferungen per U-Boot hätte zumindest einmal geklappt…

  2. lmoam 17. Februar 2009 um 19:59 2

    Hallo Jan!

    Da ich leider kein Irland-Experte bin, würde ich deine Frage gerne an den Autor weiterleiten.
    Das mit Irland ist sowie so spannend: Nach dem I. Weltkrieg wagen die Iren ja schließlich den Austand gegen ihre englischen “Kolonialherren”. Und laut Niall Ferguson war die unruhige Lage in Irland, ein Grund für London Anfang August 1914 in den Ersten Weltkrieg einzutreten. Das alte Motiv: Ablenken von inneren Schwierigkeiten. Es bleibt die Frage, ob der I. Weltkrieg alle Spannungen zwischen Briten und Iren kurzzeitig abgebaut hat – oder, ob es nur an einen Impuls fehlte (wie in Russland), der die Iren zum Aufstand bewegt hätte. Natürlich hätten das die Deutschen mit allen Mitteln unterstützt.

  3. marcoam 30. Mai 2009 um 12:15 3

    Ich bin mir sehr sicher, dass nordirische Kriegsgefangene der Wehrmacht sich nicht auf auf Seiten der Deutschen engagiert haben und wenn doch, unter “britischem Ärmelzeichen”. Sie fühlten sich doch als Teil Britanniens. Die Iren im Süden des Landes konnten sich im Rahmen der IRA beteiligen und das vor Ort. Das habe ich dem 1960 erschienenen Buch von Steffan entnommen. Es ging den Südiren um die Befreiung von englischer Vorherrschaft im Norden. Mit deutschen Zielen konnten sie sich nicht identifizieren. Die Blue Shirts im Spanienkrieg hatten ausgedient.

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