Aug 02 2009
Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges – Teil 2: Julikrise und Kriegsbeginn

August 1914: Begeistert ziehen deutsche Soldaten in den Großen Krieg. Quelle: Wikipedia | Deutsches Bundesarchiv
Am Anfang des 20. Jahrhunderts war der Balkan das Pulverfass Europas. Im vorangegangenen Jahrhundert entstanden zahlreiche neue Staaten auf der Konkursmasse des Osmanischen Reiches. Sie hofften ihre nationalen Einheit zu vollenden – auf Kosten ihrer Nachbarn. So geschehen 1912 im Ersten Balkankrieg, als der Türkei die restlichen europäischen Gebiete entrissen wurden, und 1913 im Zweiten Balkankrieg, als Bulgarien seine ehemaligen Verbündeten wegen Gebietsstreitigkeiten angriff.
Die Konflikte auf dem Balkan vergifteten auch die Beziehungen zwischen den europäischen Großmächten. Österreich-Ungarn unterstützte das im Zweiten Balkankrieg unterlegene Bulgarien. Russland war ein Partner Serbiens, das alle Südslawen – auch die unter der Herrschaft der Habsburger lebenden – in einem südslawischen Einheitsstaat vereinen wollte. Es war eine Frage der Zeit, bis neue Spannungen in Südosteuropa ausbrechen …
28. Juni 1914 – Das Attentat von Sarajewo
In dieser angespannten Lage kam der österreichische Thronfolger Franz-Ferdinand nach Sarajewo (Bosnien-Herzegowina). Für serbische Nationalisten die Gelegenheit: Franz-Ferdinand verkörperte die verhasste Donaumonarchie – und er galt als Reformer, der den Slawen im Habsburgerreich mehr politischen Einfluss einräumen wollte.
Am 28. Juni 1914 verübten bosnische Serben der Untergrundorganisation “Schwarze Hand” ein Attentat auf das Thronfolger-Paar in Sarajewo. Franz-Ferdinand und seine Gattin Sophie von Hohenberg starben. Für Wien war klar: Die Attentäter wurden von Belgrad gesteuert. Doch statt dass Österreich-Ungarn die moralische Trumpfkarte gegen Serbien ausspielte – schließlich ermorderten Terroristen das zukünftige Staatsoberhaupt des Habsburgerreiches – zauderte es.
Erst eine Woche später holte sich die Donaumonarchie vom Zweibund-Partner Deutschland die Rückdeckung für das Vorgehen gegen Belgrad (Blankoscheck vom 5. Juli). Vorsicht war geboten: Russland könnte zu Gunsten Serbiens in dem bevorstehenden Konflikt eingreifen. Berlin drängte auf ein entschlossenes Handeln, solange das Habsburgerreich das Attentat als Rechtfertigung für einen Schlag gegen den Balkan-Staat nutzen konnte. Daher zeigte sich Kaiser Wilhelm II. empört, als der deutsche Botschafter in Wien Anfang Juli die österreichische Führung von einem Krieg gegen Serbien zurückhielt.
Die Julikrise
Der Kaiser behielt Recht. Wien ließ die Zeit wieder unnötig verstreichen. Die Trumpkarte war verspielt. Europa war Mitte Juli im Glauben, die Krise sei ausgestanden. Erst am 23. Juli – 26 Tage nach dem Attentat! – schlugen die Österreicher zu. Auslöser war das französich-russische Zusammentreffen in St. Peterburg. Die russische Führung, so die Befürchtung der Mittelmächte, könnte sich mit den Franzosen gegen Österreich-Ungarn kurzschließen.
Jetzt ließ Wien Belgrad ein Ultimatum zukommen, dass Serbien gravierend in seiner Souveränität einschränkte. Die Ereignisse überschlugen sich. Depeschen wurden zwischen den europäischen Hauptstädten ausgetauscht. London bot eine internationale Konferenz zur Lösung der Sarajewo-Krise an. Aber die Mittelmächte waren dagegen: Deutschland war bewusst, dass es bei internationalen Konferenzen – siehe Konferenz von Algeciras – den Kürzen zog.
Noch schien es, als wäre der Krieg abgewendet: Belgrad gab nach. Teile des Ultimatums wurden akzeptiert. Kaiser Wilhelm II. war überglücklich: “Ein großer moralischer Erfolg für Wien. Damit fällt jeder Kriegsgrund fort …” Doch das Einlenken Belgrads ging Wien nicht weit genug. Am 28. Juli 1914 erklärte Österreich-Ungarn Serbien den Krieg. Am nächsten Tag ließ Wien Belgrad bombardieren. Der dritte Balkankrieg war ausgebrochen.
Auch in St. Petersburg haben sich währenddessen die Falken durchgesetzt. 1913 stand Russland Serbien nicht zur Seite. Wien drohte damals Belgrad mit dem Krieg, wenn Serbien bis zur Adria expandieren sollte. Nun war die russische Führung bereit, den Bündnispartner bedingungslos zu unterstützen. Nachdem zuerst ein Teil der Armee mobilisiert worden war, erfolgte am 30./31 Juli der Befehl zur Generalmobilmachung der russischen Streitkräfte. Das deutsche Ultimatum, Russland solle die Mobilmachung stoppen, lehnte St. Petersburg ab. Am 1. August begannen die Deutschen ihre Truppen zu mobilisieren. Berlin erklärte Russland den Krieg, zwei Tage folgte die Kriegserklärung an Frankreich.
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Ein Kommentar

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ich sach nur toll !!!